Alltag woanders (32): Odaiba, die freundliche Familieninsel

Jedes Mal, wenn ich in Tokyo bin, steht Odaiba immer ganz oben auf meiner Wunschliste innerstädtischer Ausflugsziele. Die Insel in der Tokyoter Hafenbucht ist so eine Art urbaner Abenteuerpark für die ganze Familie. Es beginnt schon damit, dass die künstliche Insel dem Meer abgerungen wurde, weil die Megapolis neue Flächen brauchte, auf denen sie weiter wuchern konnte. Es geht damit weiter, dass man Odaiba am besten mit einer fahrerlosen Magnetbahnlinie erreichen kann, die „Wackelmöwe“ (Yurikamome) heißt und über die doppelstöckige „Regenbogenbrücke“ fährt. Schon hier eine Mischung aus Märchenwald und Hightech. Und wenn man auf der anderen Seite ankommt, landet man zwar nicht in einem Topf voll Gold, sondern bei der Freiheitsstatue.

AWO Abb. 32.1: Die zweistöckige Rainbow-Brigde nach Odaiba

Auf Odaiba gibt es Hotels, Badestrände, Shopping-Malls, Museen, die Zentrale von Fuji-TV, Showrooms der Top-Unternehmen und jedes Jahr was Neues. Bei uns ist es schon ein bisschen Tradition dort bei Toyota vorbeizuschauen. Der Schowroom nennt sich „Mega-Web“, hat aber mit Internet nichts am Hut – ganz im Gegenteil: Die englischen Inhalte auf der Website sind eher überschaubar.

AWO Abb. 32.2: Toyota Showcase „Megaweb“

Der Höhepunkt für uns und die Jungs ist immer die Ausstellungsfläche mit den aktuellsten Toyota und Lexus Modellen. Das Tolle daran: Man darf überall reinklettern, überall rumfummeln, alle Hebel in Bewegung setzen. Das macht Groß und Klein Spaß – vor allem auch bei den Sondermodellen und denen, die man nur sehr spät oder gar nie in Europa zu Gesicht bekommt.

Es gibt auch noch ein Kino, aber da waren wir noch nicht drin, weil Kind bzw. Kinder noch zu klein dafür waren. Die Formel-1-Fläche wurde wieder abgebaut, seit Toyota sich aus dem Rennzirkus zurückgezogen hat. Vor ein paar Jahren konnte man sich mit einem selbstfahrenden Wagen – ein echtes Automobil, man musste nicht mal lenken – durch die Halle fahren lassen. Jetzt man man alle möglichen aktuellen Modelle auf dem Hof probefahren.

Es gibt auch einiges Innovatives, obwohl die Rezession auch im Showroom der Hauptstad den Glanz der vergangenen Jahre etwas abstumpfen ließ. Es dreht sich alles um Hybrid- und Elektromobilität. Dazu gibt es auch eine ganz nette interaktive Ausstellung, die das erklärt. Das neuestes Gadget: Der i-REAL, eine Art hippiger Rollstuhl als urbane Mobilitätslösung – de facto so etwas wie ein fahrendes iPhone, in das man sich setzen kann. Die historischen Modelle neben an gehören auch dazu. Aber da waren wir noch nicht und man muss ich ja immer noch ein paar Sachen für die künftigen Besuche aufheben.

AWO Abb. 32.3: So eine Art fahrbares iPhone zum Reinsetzen

Unser zweites Besuchs-Highlight dieses Mal war das Sony ExploraScience, eine Art technischer Spielplatz zu den Themen Licht und Ton. Es ist alles etwas grobschlächtiger und Nineties-mäßiger als erwartet, aber vielleicht muss man interaktive Elektrospielzeuge robuster bauen. Im Wesentlichen geht es darum, Licht und Ton auf andere Art zu erfahren: Beim Mischen von Instrumentalklängen, beim Visulisieren von Tönen, Verzerren der Stimme oder Steuerung von Projektionen. Das alles macht Spaß, obwohl die Räume abgedunkelt und fensterlos sind. Und alles geht – wie alles in Japan – recht gesittet von Statten, obwohl hier ständig ganze Kinderhorden durchtoben.

Mal gucken, was wir beim nächsten Tokyo-Besuch auf Odaiba ansehen. Sicher wäre wieder mal ein Besuch im Museum of Emerging Science and Innovation angezeigt, wo Aibo und Qrio für einen tanzten und auf großen Fläche phykalische Experimente gemacht werden konnten – oder wir gehen einfach an den Strand und schauen den großen Schiffen zu.

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